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Über die Arbeit an einem legendären Spieleklassiker

Unser Absolvent Sascha von Struve im Interview

Lieber Sascha, Du hattest 2013 bis 2016 in unserem Studiengang "Virtuelle Realitäten" Game Development studiert. Jetzt bist Du bei einem der angesagtesten deutschen Studios, Claymore Games, als Junior 3D Artist eingestiegen. Wie bist Du dorthin gelangt?

Nach dem Studium habe ich drei Jahre bei einem Indie Mobile Game Entwickler als 2D/3D-Artist gearbeitet. Eigentlich wollte ich aber schon immer am liebsten Videospiele für PC und Konsolen entwickeln und habe mich deshalb in meiner Freizeit weitergebildet, zum Beispiel zu Themen wie Anatomie, Sculpting, PBR-Workflow, Baking und zu verschiedenen Programmen wie Zbrush, Marvelous Designer, Substance Painter usw. Als ich mich dann nach einem neuen Job umschaute, hat Claymore Games gerade nach einem 3D-Artist gesucht. Diese Stelle erforderte allerdings mehr Erfahrung, als ich sie hatte. Dennoch bewarb ich mich, machte bei einem Art-Test mit, blieb hartnäckig und schaffte es so, zwar nicht die Stelle, aber ein zweimonatiges Praktikum bei Claymore zu ergattern. Nach diesen zwei Monaten wurde ich dann als Junior 3D Artist übernommen.

Jetzt arbeitest Du bei Claymore an einem absoluten Klassiker: "Commandos". Wie fühlst Du Dich damit, an einer so legendären Videospielreihe mitzuarbeiten? Was ist dabei Deine Aufgabe?

Ich habe schon in meiner Jugend Titel wie "Desperados", "Robin Hood" und natürlich "Commandos" gespielt. Die für damalige Verhältnisse unglaubliche Detailverliebtheit, die ernsthafte Thematik und der knackige Schwierigkeitsgrad haben mich damals richtig gefesselt. Deshalb ist es für mich eine große Ehre, jetzt an diesem legendären Urgestein der Videospielgeschichte zu arbeiten und hoffentlich einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass die nächste Generation genauso fasziniert davon ist wie ich damals und heute.

Meine Aufgaben sind dabei recht vielfältig. Wir sind ein noch relativ kleines, aber schnell wachsendes Team, in dem viele Veteranen, aber auch viele Juniors wie ich zusammenarbeiten. Je kleiner das Studio, desto weniger Spezialisten braucht es – dann sind eher die Allrounder gefragt. Dadurch übernimmt man immer wieder ganz verschiedene Aufgaben. Primär bin ich allerdings für die Modellierung und Texturierung von Assets verantwortlich. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln: vom Straßenschild bis zum Panzer. Zudem habe ich über die Jahre meine Kenntnisse in Anatomie und Sculpting ausbauen können. Deswegen erstelle ich gegebenenfalls auch Charaktere, Tiere oder andere organische Formen. Sekundär bin ich, durch meine Vergangenheit als Mediengestalter, auch mitverantwortlich für das Design des User Interfaces und anderer 2D-Elemente des Spiels, beispielsweise des Logos.

Und nun die Frage aller Fragen: Inwieweit haben Dich das Studium und unsere Hochschule auf die Games-Branche vorbereitet?

Das Studium hat mir geholfen, einen Überblick über die verschiedenen Tätigkeiten innerhalb der Games-Branche zu bekommen. Ich konnte damit entscheiden, welche Richtung mich am meisten interessiert und mich darauf konzentrieren. Außerdem habe ich durch viele Gastvorträge und Kurse ein Gefühl dafür bekommen, auf was es ankommt und was ich zu erwarten habe. Durch ein Praktikum im Rahmen des Studiums habe ich dann auch das Indie-Entwicklerteam kennengelernt, bei dem ich im Anschluss an das Studium übernommen wurde. Das war wahrscheinlich der wichtigste Schritt. So konnte ich drei Jahre lang erste Berufserfahrung innerhalb der Branche sammeln.

Bisher war ich, um ehrlich zu sein, immer der Meinung „Wer weit kommen will, muss vor allem gut in seinem Job sein“ – ganz egal, ob nun mit oder ohne Studium. Jetzt, bei Claymore, habe ich allerdings festgestellt, dass fast alle Juniors ebenfalls etwas in Richtung Game Development studiert haben und viele berichten, wie wichtig das Netzwerken im Studium war. Natürlich muss man trotzdem in erster Linie gut in dem sein, was man tut, aber Netzwerk und Studium können wirklich den Unterschied ausmachen zwischen "den Job kriegen" oder "den Job nicht kriegen".

Magst Du zum Abschluss unseren Studierenden einige Tipps geben, wie sie sich ebenfalls in der Games-Branche behaupten und zu ihren Wunsch-Projekten kommen können?

Zunächst einmal glaube ich, dass es wichtig ist, an sich zu glauben. Das klingt vielleicht kitschig, aber ich habe das Gefühl, dass einem teilweise viel Mut genommen wird, es überhaupt in der Branche zu versuchen. Man liest, dass der Markt überschwemmt und die Branche sehr klein ist und gibt vielleicht zu schnell auf. Aber jetzt stehe ich hier und kann sagen, dass es möglich ist, wenn man sich anstrengt. Man muss sich nur erstmal einen Ruf erarbeiten, positiv auffallen und mit Leidenschaft dabei sein.

Ein gutes Portfolio ist natürlich auch wichtig. Dazu gibt es jede Menge unterschiedlicher Meinungen und Tipps. Ich habe immer versucht, eine gewisse Bandbreite von Fähigkeiten zu zeigen. In meinen Augen haben es – vor allem beim Jobeinstieg – Spezialisten in Deutschland schwieriger als Allrounder. Beispielsweise war mir meine Ausbildung zum Mediengestalter, die ich vor dem Studium absolviert habe, schon oft sehr hilfreich. Viel Wissen sammeln und zeigen, dass man bereits Dinge beherrscht, die später im Job gebraucht werden und bereit ist, alles zu lernen, was einem noch fehlen mag – das ist wichtig. Das sollte das Portfolio spiegeln.

Natürlich zählt auch das Persönliche: Sich Mühe geben und einen guten Eindruck hinterlassen. Die Branche ist klein und niemand braucht einen Mitarbeiter, so gut seine Fertigkeiten auch sein mögen, der die Produktion bremst oder schlechte Stimmung im Team verbreitet. Niemand sollte sich verstellen, aber offen und freundlich auf die Leute zugehen, ist schon die halbe Miete.

Das kann ich nur bestätigen. Besten Dank, lieber Sascha, für Deine inspirierenden Antworten! Wie können unsere Studierenden Dich erreichen, wenn Sie noch weitere Fragen an Dich haben?

Bei Fragen kann man mir einfach eine E-Mail an 3dartistsvs@gmail.com schicken. Ich helfe gerne weiter!

Dein Ansprechpartner
Prof. Dr.-Ing. Daniel Görlich

Fakultät für Information, Medien und Design | Professor | Studiengangsleiter Virtual Reality & Game Development (B.Sc.)

daniel.goerlich@srh.de +49 (0)6221-6799-206
Absolvent Sascha von Struve, Studiengang Game Development