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Verlängerung der Wanderausstellung „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft“

Die Wanderausstellung an der Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften geht bis zum 16. November in die Verlängerung – zwei unserer Studentinnen berichten über ihre persönlichen Eindrücke und die Ausstrahlungskraft auf die heutige Zeit.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“ – nicht erst seit Helmut Kohl sollte uns die Bedeutung von Vergangenem für das Hier und Jetzt bewusst sein. So besuchte unsere Psychologie-Studentin Madeleine Krehahn die Ausstellung und erinnert sich an ihren Geschichtsunterricht: „Die Vergangenheit hilft uns, unsere Wurzeln zu verstehen und ein erneutes Auftreten von Fehlern, die bereits geschehen sind zu verhindern“, sagt sie. Spätestens seit dem Geschichtsunterricht der sechsten Klasse sei wahrscheinlich jedem bewusst, welche schwerwiegenden Verbrechen das Nazi-Regime beging und welches große Leid viele Menschen ertragen mussten. Die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz finanziell geförderte Ausstellung „Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft“ führt das Leid der Frauen vor Augen, die in dieser Zeit eigentlich für das Recht kämpften. Prof. Dr. Julia Gokel, Studiendekanin an der Fakultät für Sozial- und Rechtswissenschaften, hatte die Wanderausstellung mit ihrem Team im Oktober an unsere Hochschule geholt. Zu sehen sind die 17 Exponate noch bis zum 16. November 2021 in der Ludwig-Guttmann-Str. 6.

Erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es Frauen überhaupt gestattet, an deutschen Universitäten zu studieren. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges bekamen die Frauen das Stimmrecht und in der Weimarer Republik die grundsätzliche Gleichberechtigung. Trotz der vielen Steine, die besonders Juristinnen in den Weg gelegt wurden, erkämpften sich diese Frauen ihr Recht auf gleichwertige Abschlüsse, die lange den Männern vorbehalten waren. Unter den Juristinnen gab es damals besonders viele Frauen jüdischer Herkunft, sie machten 1928 16% der Studentinnen aus. 1933 verloren sie alles. Alles was sie sich erarbeitet hatten, alles wofür sie gekämpft hatten, mussten sie aufgeben, ihren Beruf niederlegen, viele mussten fliehen oder wurden ermordet. „Unglaublich starke Frauen wie Hilde Neumann kehrten nach 1945 nach Deutschland zurück, um dort weiter ihrem beruflichen Traum zu arbeiten, doch viele blieben im Exil und wandten sich dort ihrer Berufung zu“, berichtet Madeleine Krehahn. Auch Fabienne Effenberger, Studentin des Sozialrechts, war begeistert von der Willensstärke der Frauen und begreift die Ausstellung auch als „eine große Bereicherung für die ´Feminist*innen-Bewegung´. Die Frauen wurden unterdrückt und diskriminiert, haben ihre Begeisterung für Jura jedoch nie verloren. Sie haben zum Teil im hohen Alter im Exil nochmal Jura studiert und dafür gekämpft, dass sie ihrer Berufung wieder nachgehen können. So haben sie mit ihrer Beharrlichkeit einen wichtigen Teil zur Gleichberechtigung der Frau beigetragen.“

„Es ist wohl sehr naiv anzunehmen, dass Frauen in ihrer beruflichen Karriere heute vollends mit ihren männlichen Kollegen gleichgestellt sind“, sagt Madeleine. „Egal, ob es um Lohngerechtigkeit oder Führungspositionen geht. Die Geschichten der 17 Frauen sollten uns aber auch als Vorbild dienen, dass wir das, was uns erfüllt, nicht aufgeben und allen Hindernissen trotzen, die uns in den Weg gelegt werden.“ Auch Fabienne Effenbeger unterstreicht die feministische Perspektive, die die Ausstellung heute noch ausstrahlt: „Die Geschichte und der Lebensweg dieser starken Frauen hat mich inspiriert und mir gezeigt, dass wir Frauen in dieser doch sehr männerdominierten Welt das `Patriarchat´ und seine `frauenbenachteiligenden Ideologien´ und Gesetze durchaus bezwingen können – auch, wenn versucht wird, das zu verhindern.“

Über die Ausstellungseröffnung
Die Psychologie-Studentin Madeleine Krehahn betrachtet die Ausstellung "jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft".