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Doppelleben als Mutter und Studentin

Muttersein ist nicht leicht. Genauso wenig wie studieren. Shivangi Gujarr, die gerade ihr Studium Big Data & Business Analytics bei uns abgeschlossen hat, hat beides gleichzeitig gemeistert.

Shivangi Gujarr gehört wohl zu einer der beeinduckendsten jungen Frauen, die man an der SRH Hochschule Heidelberg treffen kann. Neben ihrem Vollzeitjob als Studentin des Studiengangs Big Data & Business Analytics war sie seit Studienbeginn auch noch Vollzeit-Mutter. Sie erzählt über den Weg, den sie gemeinsam mit ihrer Tochter Miheeka gegangen ist, über ihre Ausbildung an der SRH Hochschule und ihrer Entscheidung, ihr Heimatland zu verlassen.

Warum war es so wichtig für dich, Studium und Kind zu vereinen?

Es war für mich ein großer Kampf, meiner Familie fern zu bleiben, um eine Ausbildung in Deutschland zu machen. Mein Mann konnte durch die Pandemie nicht mit mir kommen und musste in Indien bleiben. Es war aber immer mein Ziel, hart zu arbeiten und höhere Positionen in der beruflichen Karriere zu erreichen. Beinen Bachelor habe ich in Elektronik und Telekommunikation absolviert, allerdings habe ich mich mehr zu den Computerwissenschaften hingezogen gefühlt. Nachdem ich fast sieben Jahre lang für zwei diverse Firmen in der IT Industrie gearbeitet hatte, entschied ich mich, eine höhere Ausbildung an einer ausländischen Universität zu absolvieren, um meine Fähigkeiten weiter zu verbessern. Nach einiger Recherche war mir klar: es soll eine Masterausbildung in Deutschland sein.

Ich habe meine IELTS-Prüfung bestanden und mir die Zulassung zum M.Sc. gesichert. Anschließend wurde mein Visum für Deutschland genehmigt. Nur eine Woche vor meinem geplanten Flug nach Deutschland - mit dem Packen fast in der Endphase - kam diese süße Überraschung: Ich war schwanger!

Man sagt, dass Märchen immer einen Wendepunkt haben, und dies war meine persönliche Wende.

Ich blieb bei meiner Entscheidung, den Master-Abschluss zu machen, und überzeugte auch meine Familienmitglieder davon.

Ich glaube, dass die wahre Natur und der wahre Charakter eines Menschen erst sichtbar werden, wenn er/sie eine schwierige Lebensphase durchläuft. Ich denke: „Wenn das Leben hart wird, fangen die Harten an zu leben”.

Wo war deine Tochter, wenn du Lehrveranstaltungen hattest?

Während meiner Studienzeit brachte ich meine Tochter in die Kindertagesstätte der SRH, direkt auf dem Campus unter. Hierfür bedanke ich mich ausdrücklich bei Bettina Pauley vom International Office der SRH Hochschule Heidelberg, die mir bei der Aufnahme in der Kita geholfen hat. Nur so konnte ich mein Studium reibungslos abschließen.

Inwiefern hat dich die SRH Hochschule weiter in deiner Entscheidung unterstützt?

Ich bin sehr froh, die SRH Hochschule Heidelberg für meinen Masterstudiengang gewählt zu haben. Alle Mitarbeitenden hier waren sehr hilfsbereit und haben mich wie ein Familienmitglied unterstützt.

In Heidelberg ist es sehr schwierig, eine Wohnung zu finden, als alleinerziehende Mutter mit einem kleinen Baby erst recht. Nur Absagen! Aber Bettina Pauley hat immer auf meine E-Mails geantwortet, mich in den Weihnachtsferien angerufen und mir zu einer Unterkunft im Studentenwohnheim auf dem Campus verholfen.

Könnte man also sagen, dass deine Tochter dir Motivation fürs Studium vermittelt hat?

Ja, auf jeden Fall. Der Gedanke, meinem Kind eine bessere Zukunft zu ermöglichen, hat mich immer motiviert, mein Masterstudium zu absolvieren. Ich habe in diesen schweren Zeiten immer positiv gedacht: Ich möchte alle meine positiven Erfahrungen im Leben an meine Tochter weitergeben!

Welche Punkte helfen dir, deinen schon sehr unterschiedlichen Rollen als Mutter und Studentin gerecht zu werden?

Mutter und Studentin gleichzeitig zu sein, ist wie ein Doppelleben zu führen. Während ich außerhalb der Studienzeit mit meinem Kind zusammen war, musste ich aufpassen, dass ich die Spannungen aus dem Studienalltag mit Prüfungen, Aufgaben oder Präsentationen nicht an sie herantrage. Ich widmete ihr möglichst viel Aufmerksamkeit, da sie den ganzen Tag in der Kindertagesstätte verbacht hat, ohne mich zu sehen.

Ich lese gerne, das hat mir nicht nur beim Lernen geholfen, sondern so konnte ich meinem Kind auch ganz viele Geschichten erzählen und vorlesen. Positives Denken hat mich während dieser Zeit motiviert. Ich habe auch regelmäßig Sport gemacht, um gesund zu bleiben.

Eine wichtige Sache, die ich während dieser Zeit gelernt habe, war: Harte Arbeit lässt sich nicht ersetzen. Arbeite weiter hart, denke positiv, so erreichst du dein Ziel.

Ich kann mir vorstellen, dass der Studienabschluss für dich ein ganz besonderes Ereignis war.

Ich habe im September 2021 erfolgreich mein Kolloquium abgeschlossen, einen Monat vor Ablauf der Frist. Meine Abschlussfeier war dann im November. Mein Mann, den ich im Dezember 2013 geheiratet habe, konnte zu der Zeit auch endlich nach Deutschland kommen. So nahm er auch an meiner Abschlussfeier teil und dies ist nun einer der besten Momente meines Lebens.

Ich wollte immer meine Träume über alle Grenzen hinweg verwirklichen und hatte das Gefühl, viel mehr erreicht zu haben als man mit Worten ausdrücken könnte. Ich danke dem allmächtigen Gott dafür, dass er mir den Mut gegeben hat, dieses Doppelleben als Mutter und Studentin zu führen. Und ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der SRH Hochschule Heidelberg, meinem Mann und meiner Familie, die mich bei meiner Entscheidung, nach der Schwangerschaft ein Studium im Ausland zu absolvieren, unterstützt haben. Nicht zuletzt waren aber auch alle meine Freunde wichtig, die mich seelisch unterstützt haben.

Ich danke dir für das Gespräch und dass du deine Geschichte mit uns teilst!

Madeleine Krehahn studiert Psychologie an unserer Hochschule und schreibt für diesen Blog.
Shivangi und ihre kleine Tochter.