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Student, Lehrer, Game Designer - unser Absolvent Felix Richter

Nach seinem Studium des Game Developments an der SRH Hochschule Heidelberg arbeitet Felix Richter zurzeit als Kunstlehrer an einem Gymnasium und bringt den dortigen Schülerinnen und Schülern Kunst aus einer etwas anderen Perspektive bei.

Lieber Felix, ganz direkt gefragt: Wenn du deinen Schülerinnen und Schülern Kunstthemen aus den Bereichen Game und Game Art beibringst, bist du dann nicht der coolste Lehrer an der Schule? Bitte erzähle uns, an welcher Schule du arbeitest und was du dort unterrichtest!

Aktuell arbeite ich an einem Gymnasium in Hessen als Kunstlehrer in den Jahrgangsstufen 5, 8 und 10. Ich glaube zwar nicht, dass ich dort der coolste Lehrer bin – dafür gibt es im Kollegium erfahrenere Lehrkräfte –, aber ich hoffe trotzdem, dass ich mit meinen Unterrichtsthemen die Schülerinnen und Schüler etwas mehr für Kunst begeistern kann, gerade diejenigen, die sonst kreativem Arbeiten gegenüber eher abgeneigt sind. Kunst soll ja eine Möglichkeit sein, um etwas den normalen Schulstress zu vergessen, daher habe ich versucht – soweit es der Lehrplan zulässt – auch mal untypische Themen aus dem Bereich Gaming mit in den Unterricht zu bringen.

Unter anderem durften die Schülerinnen und Schüler bereits eine isometrische Spielwelt angelehnt an Minecraft entwerfen oder eigene Spielhelden zeichnen. Aktuell machen zum Beispiel meine 8er das Thema „Character Design“ und dürfen dafür Figuren für ein Schachspiel in von ihnen gewählten Themen neu designen – etwas, das ich aus meinem Studium an der SRH direkt übernommen habe, weil mir das Thema dort so viel Spaß gemacht hat. Generell konnte ich für den Job an der Schule viel Inspiration aus dem künstlerischen Bereich des Studiums mitnehmen.

Vom Lernenden zum Lehrenden zu werden erforderte vermutlich erstmal einen Perspektivwechsel, oder? Wie hat es dich verändert, plötzlich „auf der anderen Seite“ zu stehen? Hast du dadurch Dinge erkannt, die du gerne früher schon während deiner Schul- oder Studienzeit gewusst hättest?

Ja, das war gerade vor der allerersten Unterrichtsstunde schon ein merkwürdiges Gefühl. Es hat dementsprechend ein wenig gebraucht, um vollständig zu begreifen, dass ich jetzt wirklich „auf der anderen Seite“ stehe und eben vom Lernenden zum Lehrenden geworden bin.

Es hat mir persönlich nochmal eine andere Perspektive auf den Beruf der Lehrer:innen aufgezeigt: Man lernt dadurch, dass Lehrende auch einfach nur Menschen sind, die es gut mit den Schüler:innen meinen und ihnen helfen wollen. Als Schüler:in sieht man das oft nicht so und ist von den Lehrkräften dann schnell genervt oder hat sogar Spaß dabei, diese zu ärgern. Das war eine sehr wichtige Erkenntnis für mich. Auch dadurch habe ich jetzt erst so richtig gemerkt, was Lehrerinnen und Lehrer tagtäglich leisten und was das für eine große Aufgabe ist. Ich meine, ich unterrichte nur Kunst, andere haben jeden Tag bis zu drei verschiedene Fächer – das ist auf jeden Fall sehr viel Arbeit, die leider nicht so sehr wertgeschätzt wird.

Aber ich wünsche dir, dass deine Schüler:innen deine Erfahrung und dein Engagement immer schätzen werden! Du bringst ja auch viel Branchenkenntnis mit. Schon bevor du angefangen hast, als Lehrer zu arbeiten, hattest du mit deinen Indie-Game-Studio Lionblade als freiberuflicher Game Designer Erfahrungen gesammelt. Welche waren denn, wenn man dies überhaupt so einordnen kann, deine wichtigsten Erfahrungen aus dieser Zeit?

Lionblade Studio habe ich damals im Studium im Rahmen der Unternehmungsgründung zusammen mit ein paar weiteren Kommilitonen gegründet und dann nach dem Studium allein weitergeführt. Unter dem Namen des Studios habe ich unter anderem eine Gameplay-Modifikation für das Action-Rollenspiel „Dark Souls“ veröffentlicht, die mittlerweile zu einer der erfolgreichsten Mods für Dark Souls zählt.

Später hatte ich sogar Unterstützung von einigen Mitgliedern meines Discord-Servers, die mir beim Gestalten von Texten und bei Game-Design-Entscheidungen geholfen haben. Dadurch konnte ich enorm viel wichtige Erfahrung sammeln, neue Menschen kennenlernen und tiefere Einblicke in die Spieleentwicklung bekommen. Tatsächlich hat mir die selbstständige Arbeit auch sehr geholfen, meine Anstellung bei Spellfusion zu bekommen. Es lohnt sich also, schon während des Studiums Gelerntes entweder allein oder im Team in eigenen Projekten umzusetzen, um ein Portfolio aufbauen zu können.

Absolut richtig! Jetzt bist du dem Studio Spellfusion beigetreten, wieder als Game Designer. Wie kam es dazu und kannst du dort auch deine eigenen Ideen und Konzepte realisieren, obwohl du nicht dein eigener Chef bist?

Dem Ganzen ging ein langer Bewerbungsprozess voraus, bei dem es erst nach einigen Absagen endlich geklappt hat. Zuvor hatte ich nach meinem Studium erstmal im Bereich Projektmanagement gearbeitet, dann aber festgestellt, dass ich deutlich kreativer arbeiten möchte. Im Bereich Game Design gibt es leider nicht so viele offene Stellen in Deutschland und als Einsteiger in die Branche hat man es immer schwer, weil vermehrt Game Designer mit langjähriger Berufserfahrung gesucht werden. Zusätzlich kam noch die Corona-Pandemie dazu, die Bewerbungsprozesse verlangsamt oder ausgebremst hat.

Nach langem Suchen bin ich dann beinahe zufällig auf Spellfusion gestoßen, die einen Game Designer für einen Roguelite-Deckbuilder, also ein digitales Kartenspiel, gesucht haben. Und da ich sowohl großer Kartenspiel- als auch Videospiel-Fan bin, war das natürlich die perfekte Stelle, also habe ich mich direkt darauf beworben! Wie erwähnt war die Arbeit an der Mod ein ausschlaggebender Punkt für die Zusage, aber eben auch meine Erfahrungen durch das Studium.

Ich bin sehr froh darüber, bei Spellfusion arbeiten zu können, das Team ist super und die Arbeit an dem Projekt macht enorm viel Spaß! Da Spellfusion ein recht kleines Team ist, liegt der gesamte Game-Design-Bereich nahezu vollständig in meiner Hand. Ich habe also enorm viele Freiheiten, die in einem großen Studio so wahrscheinlich gar nicht möglich wären. Zusätzlich ist alles sehr familiär und ich berate mich sehr oft mit Andreas (meinem Chef) und Dana (unserer Writerin) in kurzen Meetings, um sicherzustellen, dass meine Konzepte mit der Kernvision von Andreas sowie dem Worldbuilding von Dana vereinbar sind. Aufgrund der kleinen Teamgröße mache ich aber nicht nur Game Design, sondern bin aktuell zum Beispiel in das UI-Design und Teile des Worldbuildings involviert.

Das klingt nach einer großartigen Stelle – genau richtig für dich! Was können wir denn in den nächsten Monaten und Jahren von euch und Spellfusion erwarten? Teaser uns doch bitte mal ein wenig!

Ja, allzu viel darf ich an dieser Stelle leider nicht verraten, aber aktuell arbeiten wir an dem Roguelite-Deckbuilder „Nether Spirits“, der in einer düsteren Fantasy-Welt spielt. Als Besonderheit in dem Genre wird das Spiel einen einzigartigen Multiplayer-Modus beinhalten, man wird also zusammen mit Freunden oder Fremden das Spiel bestreiten können. Zudem wird das Ganze von einer fortlaufenden Story begleitet. Aktuell stecken wir sehr viel Herzblut und Liebe in den Aufbau der Welt und die Entwicklung der Spielmechaniken. Ich hoffe also, dass wir sehr bald mehr zeigen können! Also, bleibt gespannt!

Das werden wir! Wenn unsere Studierenden dich erreichen möchten, dürfen sie dich kontaktieren und auf welche Weise?

Sehr gerne, ich bin immer offen für neue Kontakte! Bei Fragen zum Studium oder dem Einstieg in die Berufswelt oder einfach nur für einen kurzen Austausch können sie mir jederzeit einfach eine Nachricht über meine Profile bei LinkedIn oder XING schicken.

Perfekt! Vielen Dank, lieber Felix! Wir wünschen dir und Spellfusion viel Erfolg, warten gespannt auf „Nether Spirits“ und würden uns freuen, wenn ihr nach dem Release für eine Unternehmenspräsentation mit Game Session vorbeikämt!

Dein Ansprechpartner
Prof. Dr.-Ing. Daniel Görlich

Fakultät für Information, Medien und Design | Professor | Studiengangsleiter Virtual Reality & Game Development (B.Sc.)

daniel.goerlich@srh.de +49 6221 6799-206
Felix absolvierte seinen Bachelor (B.Sc.) im Bereich Game Development an unserer Hochschule.